internationale andreas gryphius-gesellschaft (iagg) e.V.
Internationale und interdisziplinäre Tagung zum 400. Geburtstag in Kooperation mit der internationalen andreas gryphius-gesellschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München vom 12. bis 14. Oktober 2016
Veranstalter:
Dr. Oliver Bach (München)
Dr. Astrid Dröse (Tübingen)
Referenten:
Prof. Dr. Stefanie Arend (Rostock)
Prof. Dr. Achim Aurnhammer (Freiburg)
Dr. Oliver Bach (München)
Dr. Constanze Baum (Hannover/Wolfenbüttel)
Prof. Dr. Thomas Borgstedt (München)
Prof. Dr. Ralf Georg Czapla (Heidelberg)
Prof. Dr. Mirosława Czarnecka (Wrocław)
Dr. Astrid Dröse (Tübingen)
Dr. Franz Fromholzer (Augsburg)
Prof. Dr. Klaus Garber (Osnabrück)
Prof. Dr. Bernhard Jahn (Hamburg)
Prof. Dr. Nicola Kaminski (Bochum)
Prof. Dr. Barbara Mahlmann-Bauer (Bern)
Prof. Dr. Marie-Thérèse Mourey (Paris)
Prof. Dr. Martin Mulsow (Gotha)
Jun.-Prof. Dr. Michael Multhammer (Siegen)
Prof. Dr. Dirk Niefanger (Erlangen)
Prof. Dr. Jörg Robert (Tübingen)
Prof. Dr. Irmgard Scheitler (Würzburg)
Prof. Dr. Robert Seidel (Frankfurt am Main)
Prof. Dr. Johann Anselm Steiger (Hamburg)
PD. Dr. Gideon Stiening (Köln)
Prof. Dr. Friedrich Vollhardt (München)
Prof. Dr. Dirk Werle (Berlin)
Prof. Dr. Jörg Wesche (Duisburg-Essen)
Veranstaltungsort:
Ludwig-Maximilians-Universität München
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München
Veranstaltungsinformationen der Universität:
zur Webseite…
Gefördert durch:
Fritz Thyssen Stiftung
Ziel der Tagung ist es, das Gesamtwerk von Andreas Gryphius neu zu perspektivieren. Im Zentrum soll eine zeithistorische, staatsphilosophische, theologische und wissenschaftsgeschichtliche („new science“) Kontextualisierung seines Œuvres stehen, das sich in einem spannungsvollen Feld zwischen christlich-transzendenter Perspektive und „säkularer“ Zeitdiagnostik, zwischen universellem theologischen Sinnhorizont und konkretem, aktuellem Realitätsbezug bewegt. Damit setzt die Tagung im Anschluss an gegenwärtige Tendenzen der Frühneuzeitphilologie einen neuen Akzent innerhalb der Gryphius-Forschung, die seit den 1970er Jahren mehr auf die rhetorische Dimension der Texte als diskursgeschichtliche Zusammenhänge fokussiert war und zugleich einen zu revidierenden Dualismus zwischen theologischer und säkularer Deutung etablierte.
Einen zweiten Schwerpunkt setzt die Tagung im Bereich der Komparatistik: Gryphius war auf seinen akademischen Reisen mit der rezenten französischen, italienischen und niederländischen Literatur und Kultur bekannt geworden. Deren Rezeption spielt in seinem lyrischen und dramatischen Werk eine größere Rolle, als dies bislang von der Forschung reflektiert wurde. Auch Gryphius’ Adaptationen zeitgenössischer Jesuitenliteratur sind nicht umfassend untersucht, wie überhaupt eine wissenschaftliche Würdigung des lateinischen Werkes aussteht.
Vor dem Hintergrund dieses Themenspektrums ist der Horizont des geplanten Symposions ein interdisziplinärer. Die Vortragenden, namhafte Vertreter der nationalen und internationalen literaturwissenschaftlichen Frühneuzeitforschung, verfügen neben philologischen Kompetenzen auch über ausgewiesene Expertisen im Bereich der Theologie, Philosophie, Geschichts- und Theater- bzw. Musikwissenschaft.
Welche Netzwerke und Medien ermöglichten umgekehrt die Rezeption einflussreicher politischer Denker wie Bacon oder Hobbes im deutschsprachigen Raum?
Welche Rolle spielten Übersetzungen aus zweiter Hand, etwa dort, wo der kulturelle Transfer über eine dritte Sprache wie das Französische oder Niederländische erfolgte?
Die gewonnenen Erkenntnisse dürften maßgeblich dazu beitragen, das Verhältnis zwischen frühmodernen Übersetzungskulturen und gesellschaftlichen Wandlungsprozessen besser zu verstehen.
09:00 Uhr
Begrüßung und Einführung (Oliver Bach, Astrid Dröse) und Grußwort des Präsidenten der Internationalen Andreas Gryphius Gesellschaft Thomas Borgstedt
Sektion I
Neues Wissen veraltete Theologie?
Moderation: Astrid Dröse (Tübingen)
09:30 Uhr
Stefanie Arend (Rostock)
Figuren des Paradoxen bei Gryphius
10:15 Uhr
Kaffeepause
10:45 Uhr | Moderation: Erik Schilling (München)
Dirk Werle (Heidelberg)
Gryphiusʼ »Olivetum« und die Traditionen von carmen heroicum und Lehrgedicht
11:30 Uhr
Johann Anselm Steiger (Hamburg)
»Die Schlang erschrickt/ der Grund der Höll erkracht«. Andreas Gryphius und das Protevangelium
12:15 Uhr
Mittagsimbiss
13:30 Uhr | Moderation: Sylvia Brockstieger (Heidelberg)
Dirk Niefanger (Erlangen)
›Leo Armenius‹ im Kontext der lutherischen Gnadenlehre
14:15 Uhr
Friedrich Vollhardt (München)
Gemäßigter Spiritualismus? Gryphius und die Debatte um den Arndtianismus
15:00 Uhr
Martin Mulsow (Erfurt/Gotha)
Gryphius und die Ägyptologie: Zu Gryphius‘ Handexemplar von Lorenzo Pignorias ›Mensa Isaica‹
15:45 Uhr
Kaffeepause
16:15 Uhr
Franz Fromholzer (Augsburg)
perturbationes animi bei Gryphius. Heilsgeschichtliche Typologie oder empirische Medizin als adäquates Diagnoseverfahren?
Sektion II
Konstellationen
Moderation: Jan-Dirk Müller (München)
17:00 Uhr
Barbara Mahlmann-Bauer (Bern)
Zwischen Breslau und den Niederlanden: Protestantische und jesuitische Schuldramatik bei Andreas Gryphius
18:00 Uhr
Abendimbiss
19:00 Uhr | Abendvortrag
Klaus Garber (Osnabrück)
Heimatkunde. Der schlesische Lebensraum des Dichters
Sektion III
Politische Theologie und Anthropologie
Moderation: Christian Kirchmeier (München)
09:00 Uhr
Gideon Stiening (Köln)
›Rechtspflichten‹. Gryphiusʼ ›Papinianus‹ im Kontext der politischen Theologie der Frühen Neuzeit
09:45 Uhr
Mirosława Czarnecka (Wrocław)
Räume der Unaufmerksamkeit. Zur Interdependenz von Analysekategorien Gender, Stand, Alter, Bildung, Zugang zum exklusiven Wissen und Kommunikation in sozialen Räumen des Andreas Gryphius und in seinen Werken
10:30 Uhr
Kaffeepause
11:00 Uhr
Nicola Kaminski (Bochum)
Brandaufklärung versus Gottesstrafe? Ein konfessionspolitisches close reading von Gryphiusʼ ›Fewriger Freystadt‹
11:45 Uhr | Moderation: Carolin Struwe (München)
Oliver Bach (München)
»Ein Weib / doch die geherrscht«. Catharina von Georgien und das Herrschaftsrecht von Frauen im frühneuzeitlichen Naturrecht
12:30 Uhr
Mittagsimbiss
Sektion IV
Poetik
Moderation: Carolin Struwe (München)
14:00 Uhr
Michael Multhammer (Siegen)
»Daß müsse GOtt im Himmel erbarmen! das ist die 3. Sau.« Implizite Poetik in Andreas Gryphiusʼ ›Absurda Comica‹
14:45 Uhr | Moderation: Maximilian Benz (Zürich)
Robert Seidel (Frankfurt am Main)
Der Parnassus renovatus (1636) – lateinische Fingerübung oder poetologisches Manifest?
15:30 Uhr
Kaffeepause
15:45 Uhr
Thomas Borgstedt (München)
Optionen der Lyrik im konfessionellen Zeitalter. 400 Jahre Andreas Gryphius und Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
16:30 Uhr
Jörg Robert (Tübingen):
»Begriff der Welt!«. Andreas Gryphius in Rom
17:15 Uhr
Getränkepause
17:45 Uhr | Moderation: Julia Amslinger (Duisburg)
Astrid Dröse (Tübingen)
Transformationen des Komischen. Gryphius und die commedia dell’arte
Sektion V
Intertextualität – Interkulturalität – Intermedialität
Moderation: Julia Amslinger (Duisburg)
18:30 Uhr Achim Aurnhammer (Freiburg)
Opernästhetische Aspekte in den Dramen des Andreas Gryphius
19:15 Uhr
Abendessen
09:45 Uhr | Moderation: Oliver Bach (München)
Irmgard Scheitler (Würzburg)
Gryphius und die Musik
10:30 Uhr
Kaffeepause
10:45 Uhr
Marie-Thérèse Mourey (Paris)
Andreas Gryphiusʼ Verhältnis zur französischen Literatur: zwischen Imitatio und Ironisierung
11:30 Uhr
Constanze Baum (Hannover/Wolfenbüttel)
»Unter diesen Worten öffnet sich der innere Schau-Platz«. Der Nebentext als Bedeutungsträger in Gryphiusʼ Dramen
12:15 Uhr
Abschluss der Tagung
12:30 Uhr
Mittagsimbiss